In meiner Wohnung stehen 2 uralte Imacs rum, die eigentlich nur mehr nostalgische Staubfänger sind. Für das alte System gibt es keine aktuellen Programme mehr und schon gar keinen Browser, der nur annähernd up-to-date ist.
Die Rechner sind aber noch hübsch (Imac bondi blue) und ich finde diese Wegwerfmentalität, was Computer angeht, echt schlimm. Also habe ich mich von Linux locken lassen. Ubuntu, Ubuntu, Ubuntu – in allen Medien. Und es gibt sogar eine Version für PPC G3, wie meine Rechner sind.
Tag 1
Runterladen über den Laptop. Doch als erstes einmal für eine Version entscheiden: Live-CD, alternative Installation. Aha, für Geräte mit weniger als 256MB Speicher. Der Rechner hat nur 160MB, also diese. Dann die große Überraschung, es ist eine .ISO-Datei, wie bekomme ich die auf eine CD? Irgendwann mal gehört, dass man das mit einem Brennprogramm machen kann. Nero mountet dann die ISO-Datei wie eine echte CD, ich ziehe die Daten auf eine neue CD und stecke die dann in den alten Imac.
Doch wie jetzt von der CD booten zum installieren. Elvira hat glücklicherweise eine Liste mit Starttastenkombinationen, aber der Rechner will einfach nicht von der CD starten.
1. Rechercherunde im Internet ohne Ergebnis. Nur ein winziger Hinweis, dass jemand anders die CD neu gebrannt hat. Das mache ich auch und diesmal ziehe ich das ISO auf das Nero-Icon. Siehe da, die Brennfunktion geht automatisch auf und erkennt auch, dass ich ein CD-Imagefile brennen will. Wieder brennen, aber das war eigentlich schon der letzte von Elviras Rohlingen.
Neuerlicher Bootversuch von der Linux-CD und diesmal sieht es besser aus. Immerhin schon mal eine Installation im Stil von vor 10 Jahren mit blauem Hintergrund und Text. Festplatte partitionieren – was soll das eigentlich sein? Gut, ich weiß schon, was das ist, aber ein Benutzer ohne Vorkenntnisse. Die erste Erkenntnis, dass Linux immer noch hauptsächlich Nerds anspricht. Rechnername, Benutzername, Passwort, die Kiste rattert, installiert, installiert, installiert – das dauert mindestens 1 Stunde. Zwischendurch noch eine kryptische Fehlermeldung, aber man kann weiterinstallieren. Irgendwann ist er wirklich fertig, die CD kommt raus und die Kiste bootet neu.
Buntes Ubuntu-Logo. Nicht schlecht. Dann der übliche Startbalken. Hin und her und dann füllt er sich langsam mit Farbe. Das sieht doch gut aus. Das System startet und plötzlich ist der Schirm schwarz und die grüne Betriebslampe geht auf orange. Es ertönt auch noch ein kurzer Warnton. Das wars, nichts geht mehr.
Ausschalten, neu starten, 2. Internet-Recherche. Andere User haben ähnliche Probleme. Zwischen kryptischen Profieinträgen in diversen Formen, kommen auch echte Hinweise auf das Problem zu Tage. Wahrscheinlich muss die Konfigurationsdatei “xconf.org” noch an die richtige Bildschirmauflösung angepasst werden. Was auch immer das ist. Und wir macht man das? Und wie kommt man dort hin?
3. Internet-Recherche … Man kommt angeblich über die Tastenkombination ctrl+alt+F1 in eine Eingabeaufforderung, wo man den krytischen Text: sudo nano /etc/X11/xorg.conf; eingeben muss. Die Tasten gedrückt, das orange Licht geht wieder auf grün und wir kommen doch wirklich zu einer Eingabeaufforderung – allerdings will der Rechner einen Benutzernamen und ein Passwort. Davon war in keiner Anleitung die Rede gewesen. Wir geben also, die vorher bei der Installation eingegeben Daten ein und der Rechner antwortet ausschließlich: Login incorrect. WIr probieren alles mögliche aus, es könnte ja sein, dass wir uns beim Installieren vertippt haben, doch es hilft nichts.
Meine erste Idee: neu installieren und diesmal genau aufpassen, was man eingibt – könnte ja sein, dass uns ein Fehler unterlaufen ist. Also wieder durch die ganz Prozedur durch, wieder Fehler wärend der Installion, wieder geht es weiter, wieder CD raus und Startscreen und wieder schwarzer Bildschirm.
Linux ist noch immer etwas für Nerds!
4. Internet-Recherche … es gibt einen Rescue-Modus. Ich hasse Linux-Foren. Lauter Klugscheisser mit vielen “du musst doch nur”-Texten. Hey, wenn ichs wüsste, dann würde ich nicht danach suchen!!! Also wir probieren den Rescue-Modus. Das geht nur von CD. Dann muss man noch auf die richtige Partition zugreifen und eigentlich weiß man nie so richtig, wo man ist und was man tut. Aber wir bekommen immer nur Eingabeaufforderungen und Login incorrect.
Ich geh wütend und müde schlafen. Elvira hat schon etwas früher aufgegeben.
Tag 2
Wir versuchen es mit einer erneuten Installation. Elvira startet diese morgens und abends ist sie dann auch fertig. Probieren, probieren, probieren. Rescue Modus, endlich eine Eingabeaufforderung ohne Passwort, doch es gibt einfach keine Benutzer. Die Installation hat nichts angelegt.
Internetrecherche 5, wie ändert man ein Passwort, oder vergibt eines. passwd … dort auch das funktioniert nicht. Auch nicht wenn wir selbst einen User anlegen, so können wir kein Passwort vergeben. Irgend ein Token-irgendwas geht schon wieder nicht.
ICH HAB DIE SCHNAUZE VOLL!
Tag 3
Nachdem die Kiste beinahe eine Woche rumgestanden ist: Internetrecherche 6!!!! Welche anderen Linuxe gibt ex noch für PPC. Dabei sticht mir Xubuntu ins Auge und angeblich ist es auch ressourcenschonender, als die anderen. Und diesmal lade ich die Live-CD runter. Vielleicht macht ja das einen Unterschied.
Der Unterschied liegt darin, dass diesmal das ganze System in den Arbeitsspeicher gequält wird, was aber durchwegs schneller ging, als bei den vorangegangenen Installationen. Startscreen, wieder ein Logo und nach dem Hochstarten wieder ein BLACK SCREEN. FUCK!!
Wir geben aber nicht auf. Jetzt schon gar nicht!! Über die ctrl+alt+F1 Tasten-Kombination kommen wir diesmal zu einer Eingabeaufforderung, die nicht nach einem Benutzer fragt und wir wollen das mit xorg.conf probieren. Nächste Hürde: nur englische Tastatur. Also Zeichen suchen, wo nur Blödsinn erscheint. Irgendwie kommen wir in das Editor-Programm, wollen runterscrollen zu der Position, wo man die Bildschirmwiederholfrequenz und Zeugs nach Anleitung ändern muss, doch unsere Datei ist viel zu kurz. Die Tastenkommandos funktionieren auch nicht so richtig und wir zerstören die Datei ganz beim Versuch das Programm zu verlassen.
Neustart, nochmal bis zum Blackscreen, diesmal vorsichtiger mit der Datei und wir tragen die zu ändernden Zeilen einfach mal dazu ein. Dann noch die “gdm” killall und der Xserver bringt einen ordentlichen Fehler. (Mist ich schreibe schon wie die Foren-Nerds) Aber wir kommen wieder zurück zur Eingabeaufforderung. Diesmal tippen wir eine ganz xorg.conf aus dem Internet ab. Zumindest die Passagen, die uns interessant vorkommen. XServer neu starten und plötzlich, plötzlich, plötzlich, ein grauer Screen mit einem runden Sanduhr-Warte-Icon. WIr haben es geschafft, in die graphische Oberfläche zu kommen!!
WOW WOW WOW
Wir bekommen sogar einen Desktop und Icons und einen Bildschirmhintergrund. Das Ding läuft langsam, aber es läuft. Sehr langsam. Wir wollen das System gleich installieren, aber es braucht seine Zeit, bis wir realisiert haben, dass es zwar läuft, aber sicher eine Minute braucht, bis das Installationsprogramm auch wirklich läuft. Dann gehts aber los und wir haben diesmal sogar einen grafischen Installer mit Wartebalken und allem!
15%, 30%, der Wartebalken wird auch die Unterhaltung der nächsten Stunden. Wir schauen den beinahe lustigen österreichischen Tatort und nach ca. 2,5 Stunden und ewigen 86% gehen wir schlafen. Der Installer läuft weiter.
Tag 4
Guten Morgen! Das Mädchen war schon unten und hat auch schon gesehen, dass die Installation auch wirklich fertig ist. MANNNNNNO!
CD raus, Neustart und noch vorm Frühstück läuft das Xubuntu auch wirklich auf dem alten Imac. Sieht alles ganz nett aus, aber kein Mac OS. Dafür aber ein top-aktueller Browser, der sogar unsere neuesten Seiten richtig anzeigt. Und das sogar mit passablem Tempo.
FAZIT: Wir werden den Zwergpirat behalten.
Mac OS X funktioniert einfach.
Windows funktioniert kurz bis zum nächsten Neuaufsetzen.
Linux funktioniert nie auf Anhieb, schon gar nicht so, wie in Foren beschrieben und ist nur was für Leute mit viel Zeit und Ehrgeiz.
Schlagwörter: Imac bondi blue, G3, 333Mhz, Xubuntu, blöde Ideen
# xorg.conf (X.Org X Window System server configuration file)
#
# This file was generated by dexconf, the Debian X Configuration tool, using
# values from the debconf database.
#
# Edit this file with caution, and see the xorg.conf manual page.
# (Type "man xorg.conf" at the shell prompt.)
#
# This file is automatically updated on xserver-xorg package upgrades *only*
# if it has not been modified since the last upgrade of the xserver-xorg
# package.
#
# Note that some configuration settings that could be done previously
# in this file, now are automatically configured by the server and settings
# here are ignored.
#
# If you have edited this file but would like it to be automatically updated
# again, run the following command:
# sudo dpkg-reconfigure -phigh xserver-xorg
Section "Device"
Identifier "Configured Video Device"
BusID "PCI:0:18:0"
EndSection
Section "Monitor"
Identifier "Configured Monitor"
HorizSync 58-62
VertRefresh 75-117
EndSection
Section "Screen"
Identifier "Default Screen"
Monitor "Configured Monitor"
Device "Configured Video Device"
SubSection "Diplay"
Modes "1024x768" "800x600" "640x480"
EndSubSection
EndSection
Section "Module"
Disable "glx"
Disable "dri"
EndSection








meistens frustriert. manchmal begeistert. und sobald was klappt taucht am horizont schon wieder das nächste problem auf, mit dem man dann die nächsten 4 stunden zubringt…
Der Satz “Windows funktioniert kurz bis zum nächsten Neuaufsetzen.” ist natürlich Mac-Propaganda … man muß XP nur regelmäßig sauberhalten, dann bleibt es schnell und ohne Mucken.
Aber ich versuche auch, seit über zwei Jahren immer wieder mit Ubuntu und Varianten dessen heimisch zu werden und es gelingt nicht. Kein Treiber für den Drucker, die Farben sehen rosa-stichig aus, die Schriften wirken proportional entstellt. Der Schöngeist schüttelt sich vor Entsetzen. Wozu Linux? Mir fehlt eine gültige Antwort.
vgl.: http://studiowelle.blogspot.com/2009/06/so-ist-es.html